Arnold “The Cobra” Gjergjaj kämpft um “EBU-Europameisterschafts-Titel”

Bitterer Abend in der Türkei. Wir können den Europameistertitel leider nicht zurückholen.

Trotz einem vorzüglichen Kampf werteten die Punktrichter den Titelkampf nach 12 Runden mit 115:113, 115:113 und 118:110 zugunsten von Umut Camkiran.
Die beiden ersten Wertungen kann man so sehen.
Bei der Wertung von 118:110 des Deutsch-Kroaten Iko Tihomir Bebić, früher selber Boxer und Geschäftsführer der im Januar 2019 liquidierten DOPING Products GmbH (Energy Drink), derzeit als Tennislehrer tätig, muss gefragt werden, welche Brille Bebic da aufgehabt hat.

Das Kampfgeschehen war über die gesamte Distanz äusserst ausgeglichen.
Arnold Gjergjaj machte gegen den bulligen K.o.-Schläger aus der Türkei, der zuvor alle elf Fights durch schnelle Niederschläge gewonnen hatte, vieles richtig und zeigte eine Darbietung, auf die sich aufbauen lässt. Vor allem defensiv überzeugte Gjergjaj. Gjergjaj versuchte seinen Reichweitenvorteil auszunutzen und seinen Gegner auf Distanz zu halten, indem er ununterbrochen den Jab einsetzte. Kritische Situationen neutralisierte Gjergjaj durch Klammern. Der Gegner, Umut Camkiran, reagierte jeweils sichtlich genervt und setzte im Infight mehrmals seinen Kopf ein oder stiess seinen Widersacher weg. Dafür ermahnte ihn denn auch der Ringrichter.

Gjergjaj war ständig in Bewegung. Er tänzelte zu Beginn jeder Runde. Es war schwer für Camkiran, einen Treffer zu landen. Und wenn dieser doch einmal mit einer Schlagserie durchkam, dann steckte der Baselbieter die Treffer gut weg. Es gab kein einziges Mal einen Wackler, bei dem man dachte: Jetzt steht der K.o. bevor.

Aber: Auch Camkiran kam kaum einmal in Nöte.
Das lag an zwei Dingen:

  • Gjergjajs Jab macht zu wenig weh und ist noch zu selten eine Waffe.
    Mit der Führhand durchzuboxen und präzise und scharf einen Jab zu schlagen war bei Gjergjaj in Istanbul zu wenig der Fall. Oft war der Jab nur angedeutet oder traf auf die Handschuhe des Gegners.
  • Gjergjaj setzte seine bekannte Schlaghand zu wenig ein.
    Boxexperten beeindruckt seit Beginn der Karriere Gjergjajs dessen Schlaghärte. In seiner Rechten steckt richtig viel Dampf drin. Die wenigen Treffer, die Gjergjaj an Kopf und Körper des türkischen Rivalen landete, flössten diesem denn auch sichtbar Respekt ein. Aber um den Kampf zu gewinnen, reichte dies nicht – schon gar nicht im Silence Hotel zu Istanbul, das überhaupt nicht still war und wo die Zuschauer natürlich für den einheimischen Boxer lärmten.

Fazit: Auch wenn Arnold Gjergjaj verloren hat, bedeutet dieser verlorene Kampf nicht das Ende seiner Ambitionen.
Das wäre nur der Fall gewesen, wenn er schwer k.o. gegangen wäre. Davon aber war der Prattler weit entfernt. Defensiv war seine Leistung am Karfreitag mehr als ordentlich. Offensiv muss er beim nächsten Mal allerdings noch eine Schippe drauflegen.

Das Team Gjergjaj sagt vielen herzlichen Dank für die Unterstützung in der Türkei und vor dem TV.

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